Was tut die Stadt Aarau?
Ausgangslage
Am 21. Juni 2018 wurde das Postulat Beitritt zur Städtekoalition gegen Rassismus von den beiden Einwohnerratsmitgliedern A. Abdurahman und L. Hunziker eingereicht. Der Einwohnerrat folgte der Empfehlung des Stadtrates und überwies am 17. Dezember 2018 das Postulat. Im Jahresbericht 2025 wird nun die Abschreibung des Postulates beantragt.
Am 20. November 2023 beschloss der Stadtrat die Antragstellung für den Beitritt in die Europäische Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR). Die Stadt Aarau wurde am 6. Mai 2024 vom Lenkungsausschuss der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR) als Mitglied aufgenommen. Die Sektion Gesellschaft wird mit dem Gesamtlead für die Vorbereitung der Vorlage für die zweijährliche Berichterstattung an den ECCAR-Lenkungsausschuss beauftragt. Für die Erfüllung des Auftrages werden ab dem Budget 2025 wiederkehrend zehn Stellenprozente und 10'000 Franken beschlossen.
Der Beitritt folgt den Empfehlungen des Analyseberichts «Standortbestimmung rassistische Diskriminierung in der Stadtverwaltung Aarau» von socialdesign, den der Stadtrat am 12. Juni 2023 zur Kenntnis nahm. Der Bericht kommt zum Schluss, dass die Stadt mit der Regionalen Integrationsfachstelle (RIF) Aarau bereits über eine Stelle verfügt, die sich aktiv für die Sensibilisierung gegen Rassismus einsetzt. Er sieht jedoch einen klaren Handlungsbedarf bezüglich der Ausweitung der Bearbeitung des Themas auf alle Verwaltungsbereiche. Vor allem geht es darum, die Fähigkeit zu entwickeln, Diskriminierung wahrzunehmen und sich als Stadtverwaltung kontinuierlich dagegen einzusetzen.
Aktionsplan gegen Rassismus 2027 - 2030
Als ECCAR-Mitglied ist Aarau dazu verpflichtet, Massnahmen in allen Bereichen des «Zehn-Punkte-Aktionsplan zur Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung auf kommunaler Ebene in Europa» der ECCAR zu formulieren und umzusetzen. Der Zehn-Punkte-Aktionsplan der ECCAR enthält folgende Bereiche:
- Verstärkte Wachsamkeit gegenüber Rassismus
- Bewertung der örtlichen Situation und der kommunalen Massnahmen
- Bessere Unterstützung für die Opfer von Rassismus und Diskriminierung
- Bessere Beteiligungs- und Informationsmöglichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger
- Die Stadt als aktive Förderin gleicher Chancen
- Die Stadt als Arbeitgeberin und Dienstleisterin
- Chancengleichheit auf dem Wohnungsmarkt
- Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung durch Bildung und Erziehung
- Förderung der kulturellen Vielfalt
- Rassistische Gewalttaten und Konfliktmanagement
Die Massnahmen werden unter Einbezug aller Verwaltungsabteilungen formuliert und umgesetzt. Die abteilungsübergreifende Entwicklung von Massnahmen für die Umsetzung des Zehn-Punkte-Aktionsplans erfolgt über die Formulierung eines stadtweiten Aktionsplans gegen Rassismus 2027 – 2030. Pro Jahr werden jeweils 2-3 Themenschwerpunkte gesetzt.
Stimmungsbild Rassismus 2025
Als Grundlage für die die Entwicklung stadtspezifischer Massnahmen dient ein Stimmungsbild Rassismus 2025. Dieser enthält Situationsbeschriebe, die Rassismus in der Stadt und in der Stadtverwaltung leicht verständlich sichtbar machen.
Die Situationsbeschriebe wurden im Juni 2025 in Fokusgruppen erhoben. In die Fokusgruppen eingeladen wurden einerseits die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung und anderseits Vertreterinnen und Vertreter zivilgesellschaftlicher Akteure, die selbst von Rassismus betroffen sind und sich mit dem Thema beschäftigen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich Rassismus in der Stadt sich abzeichnet. Sie können das Stimmungsbild hier lesen oder herunterladen.
Stimmungsbild Rassismus 2025. Wie zeigt sich Rassismus in der Stadt Aarau?
Berichterstattung an die ECCAR
Mit dem Beitritt hat sich Aarau verpflichtet, dem Lenkungsausschuss der Koalition alle zwei Jahre über die unternommenen Aktionen Bericht zu erstatten (Online City Reporting).
Das Online City Reporting verbindet die Rechenschaftspflicht mit einem Feedback-Mechanismus. Dies stärkt die Sichtbarkeit des Engagements der Stadt im Rahmen des 10-Punkte-Aktionsplans. Die Städte haben so die Möglichkeit, ihre zentralen Herausforderungen und Bedürfnisse detailliert mitzuteilen, sodass die ECCAR die Bedürfnisse der Mitgliedsstädte stets in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen kann.
Das Online City Reporting Tool ist ein zweistufiger digitaler Fragebogen. Im ersten Teil (Level 1) werden allgemeine Merkmale der Stadt und die Struktur ihrer Arbeit im Bereich Rassismus-Bekämpfung abgefragt. Im zweiten Teil (Level 2) besteht die Möglichkeit, detaillierter auf spezifische Massahmen einzugehen, die von der Stadt umgesetzt werden.
Sobald eine Stadt ihren Bericht eingereicht hat, wird dieser durch den wissenschaftlichen Beirat, in dem auch die UNESCO vertreten ist, geprüft. Die jeweilige Stadt erhält ein offizielles Feedback bestehend aus allgemeinen Erkenntnissen sowie einem individuellen Feedback. Das individuelle Feedback ist eine wichtige Ressource zur Bewertung und Verbesserung der Arbeit vor Ort.
Für Aarau ist ein erster Bericht für April 2026 vorgesehen. Damit die Stadt Aarau ein ganzheitliches und breit abgestütztes Bild der getroffenen Massnahmen abgeben kann, wird die Berichterstattung als Querschnittsaufgabe verstanden.
Antirassismus in Aarau
In Aarau laufen im Bereich Antirassismus folgende Aktionen:
- Im Jahr 2020 nahm die Regionale Integrationsfachstelle (RIF) Aarau ihre Tätigkeiten auf. Mit dem Regelstrukturansatz, den die RIF Aarau verfolgt, trägt sie zur institutionellen Öffnung von Regelstrukturen bei und baut so Barrieren ab, die den Zugang zu Leistungen der Stadt für bestimmte Bevölkerungsgruppen erschweren.
- Seit 2023 finden in der Stadt zudem Aktionen im Rahmen der Aktionswoche gegen Rassismus statt. Im Jahr 2025 organisierte die Regionale Integrationsfachstelle (RIF) Aarau gemeinsam mit der Anlaufstelle Integration Aargau (AIA) und dem Stadtmuseum Aarau drei offene, moderierte Gesprächsrunden zum Thema (Anti-)Rassismus. Die Veranstaltungen jeweils von einer Antirassismus-Fachperson begleitet. Ergänzend dazu war im Stadtmuseum Aarau eine Info-Ecke eingerichtet. Dieses erfolgreiche Format wird im Rahmen der diesjährigen Aktionswoche gegen Rassismus in ähnlicher Form weitergeführt. Unter dem Titel «Let’s Talk About Racism. Let’s Talk About Us.» lädt die RIF Aarau zu offenen Gesprächen über Rassismus ein, die am 18. März in Suhr, am 27. März in Oberentfelden sowie am 30. März in Küttigen stattfinden. Zudem steht vom 17. bis 31. März in der Stadtbibliothek Aarau eine Info-Ecke mit (Kinder-)Büchern und Broschüren zum Thema zur Verfügung.
- Mit dem Netzwerk «Rassismuskritische Schule» existiert zudem seit diesem Jahr neu ein Gefäss für Lehr- und Fachpersonen Bildung der Stadt Aarau und den Gemeinden RIF Aarau, nämlich Biberist, Buchs, Hirschthal, Hunzenschwil, Kölliken, Küttigen, Muhen, Oberentfelden, Suhr, Unterentfelden, um sich mit dem Thema Rassismus im schulischen Kontext auseinanderzusetzen, weiterzubilden und sich untereinander zu vernetzen.
Gleichwohl stehen zum Thema Antirassismus noch weitere Aufgaben an. Die zentrale Herausforderung liegt darin, als Stadtverwaltung das Verständnis und die Fähigkeit zu entwickeln, Diskriminierung wahrzunehmen und sich kontinuierlich dagegen einzusetzen.
Beratung für Betroffene von rassistischer Diskriminierung in Aarau
Die Anlaufstelle Integration Aargau (AIA) führt die kantonale Beratungsstelle für Betroffene von rassistischer Diskriminierung. Sie berät Menschen im Kanton Aargau, die aufgrund ihres Aussehens, der Herkunft, Sprache oder Religionszugehörigkeit diskriminiert werden. Siehe Integration Aargau – Rassistische Diskriminierung.
Kampagnen, Berichte und Projekte
- Das Projekt «Kanton St. Gallen gegen Rassismus» des Departementes des Innern lädt mit Plakaten, Veranstaltungen und Online-Interaktionen zum Erfahrungsaustausch ein. Siehe Kanton St.Gallen gegen Rassismus | sg.ch
- Die Stadt Zürich nimmt in ihrem dritten Rassismusbericht die Stadtverwaltung in den Fokus. Der Bericht zeigt auf, wie sich Rassismus in Verwaltungsabläufen abzeichnet und wie die Verwaltung sich in der Rassismusbekämpfung verbessern kann. Siehe Rassismus von der Wirkung her verstehen | Stadt Zürich
- Die Stadt Bern hat Handouts entwickelt zu den Themen «Was tun bei rassistischen Äusserungen? Tipps für den öffentlichen Raum» und «Sprachlos? Sechs gute Reaktionen auf Alltagsrassismus», siehe Diskriminierung und Rassismus — Stadt Bern
- Ausstellung im Bernischen Historischen Museum «Widerstände. Vom Umgang mit Rassismus in Bern.» 25.4.2024–1.6.2025